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Nachdenkliches

MIME-signierte E-Mails – Eigentlich „für die Katz“

Meine Erfahrungen mit MIME-signierten E-Mails sind ausgesprochen ernüchternd. Mein Test im persönlichen Umfeld ist letztendlich auf zwei Kernaussagen hinausgelaufen:

„Da war ein Anhang dabei – da habe ich nicht draufgklickt. Ich klicke grundsätzlich keine Anhänge an. War die E-Mail überhaupt von Dir?“

Auch wenn das jetzt „eigentlich“ falsch ist, empfinde ich diese Grundeinstellung doch als lobenswert. Durch ein derartiges Verhalten entsteht in meinen Augen ein größerer Sicherheits- und Vertraulichkeitsgewinn als durch eine digitale Unterschrift. Wenn Ihr „im Zweifelsfall“ nicht auf Anhänge klickt oder erst einmal nachfragt, ist das natürlich „völlig O.K.“

„Die war signiert?“

Tatsächlich ist es so, dass die Signatur eigentlich nur in Desktop-Anwendungen (Outlook, Thunderbird) so präsent dargestellt wird, dass die der Anwender überhaupt wahrnimmt. Der Markt in der privaten Kommunikation wird meiner Beobachtung nach zunehmend von iOS und Android dominiert. Hier muss man schon gezielt nach der Signatur suchen.

Zusätzlich habe ich mir noch die Frage erlaubt, welche Schlussfolgerungen der Empfänger aus der Signatur zieht. Die korrekte Antwort wäre gewesen: „Ein von meinem Gerät als vertrauenswürdig eingestufter Anbieter behauptet, dass der Inhalt von jemanden stammt, der irgendwann einmal Zugriff auf das Absenderpostfach hatte“(*).

Diese Antwort habe ich von niemanden gehört. Entweder es wurde geraten:

  • „Das ist jetzt irgendwie verschlüsselt, oder?“
  • „Das kann keiner mitlesen“
  • …oder es gab eine allgemeine Antwort („das ist jetzt sicherer“)

Fazit: Sehr traurig und ernüchternd. Eigentlich machen Signaturen schon Sinn. Nur benötigt der korrekte Umgang damit ein (Fach-)Wissen, dass nur dann vorhanden ist, wenn man sich bewusst damit beschäftigt.

(*) Die Signatur sagt in den meisten Fällen natürlich noch mehr aus. Da die Verifizierungsprozesse der Trustcentren jedoch erheblich differieren und Schlüssel u.U. auch vom Anbieter generiert werden, dürfte dies der kleinste gemeinsame Nenner sein.

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Nachdenkliches

Ich mache „etwas mit Computern“

Liebe(r) Freund(in),

ich mache etwas mit Computern.

Jetzt bittest Du mich vielleicht, abends herumzukommen und deinen Computer zu reparieren. Aber hast Du auch mal daran gedacht, dass ich vielleicht Feierabend habe? Es hat sicherlich seinen Grund, warum ich zwei verschiedene Mobiltelefone und zwei E-Mail-Postfächer habe. Ich trenne das Berufliche vom Privaten.

Ich bin sehr gewissenhaft. Kannst Du dir vorstellen, dass ich der damit verbundenen Verantwortung im Grunde genommen gar nicht spontan und unvorbereitet gerecht werden kann?

Wer sagt mir beispielsweise, dass deine Datensicherung nicht nur vorhanden ist, sondern auch problemlos zurückgespielt werden kann? Hast Du das mal ausprobiert, oder möchtest Du, dass wir das zusammen ausprobieren? Damit könnten wir dann die ersten vier Stunden verbringen. Wir haben nur eine Hardware zur Verfügung und virtualisieren nichts. Falls das Wiedereinspielen nicht klappen sollte, war das somit der einzige Versuch.

Achso – Du hast keine Datensicherung. Und wenn doch etwas passiert wäre? Wärst Du dann mit mir über die digitale Planke gesprungen? Oder hättest Du die die volle Verantwortung übernommen?

Es gibt Viren, die aktivieren sich erst 1-2 Wochen nach der Infektion. Wie soll ich im ungünstigsten Fall beweisen, dass der Virus auf deinem PC bereits vorher vorhanden war und nicht von meinem USB-Stick stammt? An so etwas sind bereits wertvolle Freundschaften zerbrochen!

Wie soll ich die ganze Komplexität an Einstellungen, die Du in deinen lieb gewonnenen Anwendungsprogrammen vorgenommen hast, in kürzester Zeit erfassen?

Was genau hat die Tuning-Software von der letzten Zeitschriften-CD mit deinem System angestellt? Und was waren das für Powershell-Befehle und Registry-Einstellungen, die Du vor 13 Monaten von irgendeiner Homepage abgetippt hast um die Menüleiste der Textverarbeitung grün einzufärben?

Wo wir gerade bei Anwendungsprogrammen sind: Kannst Du dir vorstellen, dass ich Word, Excel, Powerpoint usw. usf. so gut wie gar nicht kenne? Meine Arbeit endet dort, wo Du auf das Programmsymbol klickst und das Programm fehlerfrei startet.

Ich bin Angestellt(er). Was soll ich meinem Arbeitgeber erzählen wenn er mitbekommt, dass ich ich das, womit unser Unternehmen Geld verdient, „auf einmal auch nebenbei kostenlos mache“?

Und – falls mir tatsächlich einmal ein Unglück passiert – wer kommt für den Schaden auf? Meine Privathaftpflicht zahlt sicher nicht bei Schwarzarbeit.

Ich bin ein sehr hilfsbereiter Mensch und wenn Du Schwierigkeiten hast und mich um Hilfe bittest, bemühe ich mich gerne, zu einer Lösung beizutragen. Das Thema muss nicht einmal etwas mit Computern zu tun haben.

Aber bitte – meine Freizeit ist mir genau so wichtig wie Dir deine Freizeit ist. Du beschäftigst dich mit deinem PC, weil dich das interessiert. Für mich ist es schlichtweg ein Beruf. Mein Bedarf an Feierabend(en) ist genau so ausgeprägt wie Deiner.

Achja: Auf meinem Schreibtisch steht keine Tasse, auf der die chemischen Formel von Kaffee abgebildet ist. Und ich möchte so etwas bitte auch nicht zum Geburtstag geschenkt bekommen.

ganz liebe Grüße,
altmetaller

P.S.: Was machst Du so beruflich? Bist Du zufällig Dachdecker? Falls Du Lust hast, können wir mal auf einen Samstag ein paar Frankfurter Pfannen bei uns auflegen. Und wenn Du KFZ-Lackierer bist: Die Motorhaube von meinem Mazda 2 sieht arg verwittert aus. Da gehst Du doch bestimmt mal kostenlos drüber. Weil: Bezahlt werden „Freundschaftsdienst“ ja grundsätzlich nicht, oder?

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Humor Nachdenkliches

„Neusprech“ bei der Bewerbung

Was den Arbeitgeberzeugnis für den (zukünftigen) Arbeitgeber ist, ist die Stellenanzeige für das Unternehmen. Glücklicherweise hat sich auch hier eine Geheimsprache etabliert, dies es uns erlaubt, „zwischen den Zeilen“ zu lesen.

  • „Flache Hierachien“: Niemand möchte etwas entscheiden. Du hingegen hast nichts zu entscheiden.
  • „Vielfältige Aufgaben“: Schneeschippen vor unserer sibirischen Zweigstelle gehört auch zu deinen Aufgaben.
  • „Familärer Umgang“: Wertschätzung gibt es nicht mal von den Führungskräften. Bei uns mobbt der Chef persönlich.
  • „Ein starkes Team“: Kleiner – bevor Du deine Kaffeetasse in unseren Küchenschrank stellst, erkämpfst Du dir gefälligst erst mal einen Platz im Geschirrspüler.
  • „Neue Herausforderungen“: Bis jetzt hat noch jeder die Flinte ins Korn geworfen…
  • „Spannende Aufgaben“: …und wer weiß schon, was ihre Vorgänger alles an schlummernden Altlasten hinterlassen haben!
  • „Leistungsgerechte Bezahlung“: Wer wie ein Sklave bezahlt wird, der schuftet gefälligst auch wie einer!
  • „Ein hoher Entscheidungsspielraum“: Wir haben keine Ahnung von der Materie. Und ehrlich gesagt interessiert es uns auch nicht. Mach, was Du willst – Hauptsache, Du bist verantwortlich.
  • „Entwicklungsmöglichkeiten“: Dein Platz steht fest. Wenn dein Vorgesetzter gute Beziehungen hat und sich ein anderer Dummer für deinen Job findest, darfst Du ihm unter Beibehaltung der Hackordnung hinterherwackeln.
  • „Wir erwarten Teamfähigkeit“: Eigentlich bräuchte die Truppe einen Mediator – aber den können wir uns nicht leisten. Viel Glück – Du wirst es brauchen!
  • „Erste Erfahrungen“: Du solltest mit maximal 25 Jahren so viel Erfahrung wie ein 50-jähriger vorweisen.
  • „Ein hoher Gestaltungsspielraum“: Wir haben keine Idee, wie wir ’s machen wollen. Mach einen Vorschlag und wenn Du unser Genöle 6 Wochen ertragen hast, darfst Du uns um eine Umsetzungserlaubnis anbetteln. Budget gibt es natürlich nicht.
  • „Selbstständiges Arbeiten“: Bitte nicht mit dem Thema nerven. Es ist eh‘ egal, was Du machst. Hauptsache, es wird perfekt und wir bekommen nichts davon mit.
  • „Eigenständiges Arbeiten“: Die Steigerung vom selbstständigen Arbeiten. Dein Vorgesetzter hat keine Ahnung, würde das aber nie zugeben. Wehe Du wagst es, ihn mit Fachfragen bloßzustellen!!!
  • „Verantwortung von Beginn an“: Es brennt! Dein Vorgänger ist geflüchtet oder sitzt mit Burn-Out vor der Spielekonsole. Sieh‘ zu, dass Du an die Burg kommst und dich sofort um den Scheiß kümmert.
  • „Wir erwarten Kommunikationsgeschick“: Wir sind etwas begriffsstutzig. Bitte Sätze mit maximal 5 Wörtern formulieren. Keine Kommas! Und überhaupt – warum übertragen wir nicht auch den Strom per WLAN?
  • „Traditionsbetrieb“: Wir nutzen noch die mechanischen Rechenmaschinen aus Opas Zeiten!
  • „Dynamisches Arbeitsumfeld“: Unser dienstältester Mitarbeiter hat nächstes Jahr sein Fünfjähriges!
  • „In einem wachsenden Markt“: Wir wurden gnadenlos abgehängt. Zumindest theoretisch kann es nur noch nach oben gehen.

Ihr kennt weitere Bewerbungsschwurbeleien? Tut euch keinen Zwang an, der Kommentarbereich ist eröffnet 🙂